Interviews mit Referenten

Erfahren Sie in einer Reihe exklusiver Interviews mit einer Auswahl unserer Fachreferenten mehr über die Themen und Technologien, die auf der diesjährigen Konferenz besprochen werden.


Vorstellung der Ferninfrarot-Technologie für autonome Fahrzeuge und Fahrerassistenzsysteme
AdaSky

Raz Peleg, Director von AdaSky, stellt den Neuankömmling unter den Sensorsystemen vor. Die Ferninfrarot-Technologie (FIR) wird möglicherweise schon bald Lidar und Kameras ergänzen, da sie sich optimal dafür eignet, Lebewesen zu erkennen, und im Gegensatz zu Kameras nicht durch schlechte Bedingungen beeinträchtigt wird.

Hören Sie sich Raz Pelegs Vortrag FIR-Technologie: vom erweiterten ADAS zur Autonomie der Stufe 3 und darüber hinaus auf dem Autonomous Vehicle Test & Development Symposium an. Erwerben Sie hier Ihren Teilnehmerausweis.

Erzählen Sie uns mehr über Ihren Vortrag.

Die FIR-Technologie erlebt eine Revolution, und AdaSky ist dabei federführend. FIR ist das fehlende Bindeglied für die Weiterentwicklung von Fahrerassistenzsystemen und Realisierung von Autonomie der Stufe 3 und höher. Die Technologie ist auf dem Weg in den Automobilmarkt, um OEMs eine Lösung zu liefern, mit der alle Lebewesen und Objekte in der Umgebung eines autonomen Fahrzeugs erkannt und klassifiziert werden können.

In meinem Vortrag werde ich darauf eingehen, wie Fahrerassistenzsysteme den Weg für das autonome Fahren ebnen und wie autonome Fahrzeuge bewährte Konzepte aus Fahrerassistenzsystemen nutzen. Darauf aufbauend werde ich die Lücken in den heute gebräuchlichsten Sensormodalitäten – Radar, Kameras und Lidar – aufzeigen und demonstrieren, dass diese Technologien nicht in der Lage dazu sind, autonome Fahrzeuge mit einer angemessenen und zuverlässigen Erkennungsmethode für alle Umgebungsbedingungen auszustatten.

Dabei werde ich insbesondere die technischen Fortschritte von FIR – darunter seine Fähigkeit, die Umgebung von Fahrzeugen sowohl auf große Entfernung als auch bei schlechten Wetterbedingungen präzise zu erkennen – und seine Möglichkeiten der ästhetischen Integration prüfen und erklären, wie wir bei AdaSky mit dieser Technologie das Auto von morgen Wirklichkeit lassen werden.

Welche technologischen Fortschritte haben dazu geführt, dass sich die FIR-Technologie zu einem realistischen Sichtsystem für Fahrerassistenzsysteme und autonome Fahrzeuge entwickelt hat?

Bei FIR handelt es sich um eine äußerst ausgereifte Technologie, die in vertikalen Märkten wie Militär und Luftfahrt bereits seit Jahrzehnten verwendet wird. Die Technologie war bis jetzt auf diese Märkte und bestimmte Luxusmarken beschränkt, da sie lange als zu kostspielig für den Massenmarkt galt. Neue und fortschrittliche Materialien und Fertigungstechnologien haben jedoch dazu geführt, dass Wärmekameras in letzter Zeit erschwinglich geworden sind, wodurch es uns möglich war, den FIR-Sensor Viper zu entwickeln, der sich aus wirtschaftlicher Sicht für den massenhaften Einsatz in Fahrerassistenzsystemen und autonomen Fahrzeugen eignet. Teils ist das durch die Konstruktion, geringe Größe und den geringen Stromverbrauch von Viper möglich, teils dank seiner fortschrittlichen, proprietären thermischen Kalibriergeräte und -algorithmen. Mit diesen technologischen Fortschritten leistet AdaSky Pionierarbeit in der FIR-Revolution, indem wir die Technologie zum ersten Mal zu einem realistischen, erschwinglichen Sichtsystem für Fahrerassistenzsysteme und autonome Fahrzeuge machen.

Ist die Technologie für vollautonome Fahrzeuge (Stufe 4 und höher) geeignet oder ist sie derzeit nur auf Fahrerassistenzsysteme fokussiert?

Wir konzentrieren uns zu Beginn auf Fahrerassistenzsysteme. Jedoch ist die FIR-Technologie (und im Besonderen Viper von AdaSky) die Grundvoraussetzung für die Fahrzeugautonomie der Stufe 3 und höher und wird nun ernsthaft in den Prototypen großer OEMs geprüft. Im Automobilmarkt erkennt man, dass FIR der grundlegende Sensor nicht nur für Fahrerassistenzsysteme, sondern auch für die vollständige Autonomie ist, da FIR neben seinen beeindruckenden Sensing-Fähigkeiten (z. B. die überragende Erkennung bei dynamischer Beleuchtung, bei widrigem Wetter und bei Nacht) auch erstaunlich erschwinglich für die Einführung auf dem Massenmarkt ist.

Warum sollten die Entwickler von autonomen Fahrzeugen (und Fahrerassistenzsystemen) anstelle von Lidar oder Kameras (oder einer Verbindung aus diesen) die FIR-Technologie nutzen?

Wir sind der Meinung, dass wir die derzeitigen ADAS-Angebote ersetzen können, da uns schwierige Situationen im Gegensatz zu Kameras nichts ausmachen. Was autonome Fahrzeuge angeht, sind wir der Meinung, dass sie zusätzlich zu Lidar und/oder Kameras stark auf die FIR-Technologie bauen werden müssen, um die Autonomie der Stufe 4 oder höher zu erreichen. Das ist so, weil FIR die einzige Sensormodalität ist, die in Echtzeit und unter allen Umgebungsbedingungen eine zuverlässige, genaue Erkennung ermöglicht.

Im Gegensatz zu Lidar, das Signale sowohl senden als auch empfangen muss, erfasst eine FIR-Kamera passiv Signale, indem sie die Wärmeenergie erkennt, die von Objekten ausgeht. Durch die Erfassung dieses Infrarotspektrums, das weit außerhalb des sichtbaren Lichts liegt, ist FIR in der Lage, eine neue Schicht von Informationen zu erstellen und somit alle Lebewesen in der Fahrzeugumgebung nahtlos zu erkennen. Darüber hinaus ist die neueste FIR-Technologie der nächsten Generation wirtschaftlich skalierbar für den Einsatz im Massenmarkt und außerdem klein genug, dass sie ästhetisch in Fahrzeuge integriert werden kann (etwa in die Scheinwerfer). Aufgrund seiner einzigartigen Erkennungskapazitäten, Erschwinglichkeit, Integrationsmöglichkeiten und weiteren Vorteilen sollten Entwicklern autonomer Fahrzeuge die FIR-Technologie nutzen, falls sie die vollständige Autonomie von Fahrzeugen erreichen wollen.

Wie sieht Ihrer Meinung nach die ideale Konfiguration für autonome Fahrzeuge und Fahrerassistenzsysteme aus?

Das beste Angebot für die Automobilindustrie ist unserer Meinung nach eine Kombination aus FIR und CMOS. FIR bietet eine überragende Bildwahrnehmung und liefert dadurch bei verschiedenen Wetter- und Lichtverhältnissen und inmitten von Fußgängern und Tieren gute Ergebnisse hinsichtlich der Abdeckung. Doch in Verbindung mit einer CMOS-Lösung ergeben sich sogar noch umfangreichere Sensing-Fähigkeiten. Ein Beispiel: FIR beurteilt die thermische Signatur und den thermischen Emissionsgrad, kann jedoch Farben nur grob erkennen; d. h. es hat Probleme mit dem Ablesen von Verkehrsschildern. Doch dieses Hindernis kann durch eine Kombination aus FIR und CMOS überwunden werden. CMOS kann zwar Verkehrsschilder deutlich ablesen, bietet jedoch keine effektive Erkennung von thermisch homogenen Bereichen und kann diese nicht vom Hintergrund unterscheiden – FIR hat damit keinerlei Probleme. Indem diese zwei Modalitäten also kombiniert werden, ist es den Entwicklern autonomer Fahrzeuge möglich, diesen „beizubringen“, ihre gesamte Umgebung – auch Verkehrsschilder – zu erkennen und zu verstehen.



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Zukünftige Messe: Autonomous Vehicle Technology Expo 2020, 16-18 Juni 2020, Halle 7, 8, 9, 10, Messe Stuttgart, Deutschland
Zukünftige Messe: Autonomous Vehicle Technology Expo 2021, 8-10 Juni 2021, Halle 7, 8, 9, 10, Messe Stuttgart, Deutschland
Zukünftige Messe: Autonomous Vehicle Technology Expo 2022, 21-23 Juni 2022, Halle 7, 8, 9, 10, Messe Stuttgart, Deutschland